Serbske ludowe zastupnistwo
Sorbische/wendische Volksvertretung

Hoffnung für sorbische Kirchgemeinden bei den geplanten Strukturreformen

Am 16. Juli sprachen Vertreter des Serbski Sejm in Hodźij/Göda mit Vertretern der evangelischen Kirchgemeinde, des Sorbischen Kirchgemeindeverbandes, des sächsischen Landeskirchenamtes und dem Superintendenten des Kirchenbezirkes über die Auswirkungen der geplanten kirchlichen Strukturreformen auf das sorbische kirchliche Leben. Vorausgegangen waren vor Ort starke Bedenken über die Gefahr einer erneuten Marginalisierung des Sorbischen - dieses mal aufgrund des Aufgehens der Pfarrstelle in einer über das sorbische Siedlungsgebiet hinausgehenden Struktur. Aufgrund der Unterstützungsbitte seitens sorbischer Gemeindeglieder sandte der Serbski sejm an die Kirchenleitung eine Stellungnahme mit der Bitte um ein Gespräch.

Nach den von den Gemeindegliedern vorgetragenen vielfältigen Argumenten und der Forderung zum Erhalt der Eigenständigkeit und der Entscheidungbefugnisse vor Ort wies Hajko Kozel, Vorsitzender des Sejm-Ausschusses „Verfassung und Recht“, sehr deutlich darauf hin, dass bereits der Blick auf den erschreckend einschneidenden Sprach- und Kulturverlust bei den evangelischen Sorben, den die evangelische Kirche insbesondere in den letzten zweihundert Jahren nicht verhindert, ja zum Teil mit unterstützt hat, die aktuelle historische Verantwortung der evangelischen Kirchenleitung für prosorbische Entscheidungen klar macht: „Ausgleichende Gerechtigkeit und eine Kultur der Ermöglichung und Stärkung sorbischen Gemeindelebens ist das Gebot der Stunde. Das landeskirchliche Gesetz fůr die Belange der sorbischen Gemeindeglieder darf kein »Papiertiger« sein, sondern muss gerade auch bei den gegenwärtigen Strukturdebatten konsequent angewandt werden“, so Kozel.

Superintendent Tilmann Popp zeigte Verständnis dafür, dass bei den Strukturdebatten die Interessen der sorbischen Gemeindeglieder eine wichtige Rolle spielen müssen. Er verwies darauf, dass er seit Beginn seines Wirkens im Jahr 2019 in die bereits seit 2017 laufende Strukturdebatte im Kirchenbezirk die Belange der Sorben im Bereich Göda noch einmal neu ins Spiel gebracht hat. Derzeit laufen Gespräche in der Region. Eine Lösung könne allerdings nur unter Zustimmung aller Beteiligten im Kirchenbezirk im Rahmen des Kirchgemeindestrukturgesetzes erfolgen.

Dr. Měrćin Krawc / Martin Schneider, Sejm-Abgeordneter und gleichzeitig Gödaer Gemeindemitglied, verwies auf die negativen Erfahrungen bei kommunalen Gebietsreformen, die bereits zu einem Umdenken in der Politik geführt haben, was auch der Kirchenleitung zu denken geben möge. Statt Zwangsmaßnahmen sollten auch hier zukünftig freiwillige Ermöglichungsangebote der Zusammenarbeit gemacht werden.

Der beim sächsischen Landeskirchenamt mit sorbischen Themen betraute Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel sagte am Ende des Treffens zu, die vorgetragenen Meinungen und die spezifischen sorbischen Belange sehr ernst zu nehmen und Entscheidungen nur gemeinsam mit den betroffenen Kirchgemeinden zu treffen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine Lösung auf der Grundlage des durch die sächsische Landessynode beschlossenen Kirchgemeindestrukturgesetzes gefunden wird, welche die Befürchtungen, insbesondere auch bei den sorbischen Gemeindemitgliedern, ausräumen können und trotzdem die Belange der umliegenden Kirchgemeinden in der Region berücksichtigt. Er steht für die Fragen der Kirchgemeinden in diesem Zusammenhang auch weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Dieses Gesprächsergebnis begrüßen die Sejm-Vertreter und wollen den Prozess weiter begleiten und unterstützen.

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